Mit dem Ja des Schweizer Stimmvolks vom 8. März 2026 zur Individualbesteuerung wird ein grundlegender Systemwechsel in der Steuerpolitik eingeleitet. Die Abschaffung der Heiratsstrafe schafft nicht nur mehr steuerliche Fairness, sondern eröffnet nach Ansicht der FDP-Fraktion auch die Chance, das kantonale Steuersystem umfassend zu modernisieren.
Viele kantonale Tarifstrukturen sind historisch gewachsen und entsprechend komplex. Sie führen zu hohen administrativen Kosten, zu mangelnder Transparenz und teilweise zu unerwünschten Erwerbsanreizen. Da der Übergang zur Individualbesteuerung ohnehin Änderungen an Tarifen, Abzügen und Berechnungsmechanismen nötig macht, soll diese Gelegenheit für eine grundlegende Überprüfung genutzt werden, statt nur die technisch notwendigen Anpassungen vorzunehmen.
«Wenn wir das Steuergesetz ohnehin öffnen müssen, sollten wir es richtig machen», sagt Landrätin Rafaela Hug. «Ein einfaches, transparentes System mit berechenbaren Steuersätzen nützt Familien, Alleinstehenden und Unternehmen gleichermassen.»
Vereinfachen statt nur anpassen
Das Postulat der Glarner FDP verlangt vom Regierungsrat konkrete Abklärungen. Erstens soll geprüft werden, welche Anpassungen durch die Individualbesteuerung ohnehin notwendig werden. Zweitens ist zu prüfen, welche weitergehenden Reformoptionen sich daraus ergeben. Die FDP-Fraktion denkt dabei an ein gestuftes Flat-Rate-Modell oder andere deutlich vereinfachte Tarifstrukturen. Und drittens soll der Regierungsrat prüfen, welche Auswirkungen diese Optionen auf Steuerbelastung, Erwerbsanreize, Standortattraktivität und administrative Kosten hätten.
Ein Flat-Rate-Modell wurde in anderen Kantonen bereits erfolgreich umgesetzt. Für die FDP-Fraktion ist entscheidend, dass ein solcher Reformprozess faktenbasiert erfolgt. Der Regierungsrat soll deshalb darlegen, welche Optionen im Glarner Kontext realistisch sind und welche Folgen sie hätten.